Die private Krankenversicherung für Beamte

 In Versicherungen

Welche Besonderheit hinsichtlich der Krankenversicherung bei Beamten gibt es?

Anders als bei anderen Arbeitnehmern sind Beamten von der Sozialversicherungspflicht befreit. Sie müssen also nicht Monat für Monat hohe Beiträge an die Versicherung zahlen, um sich bei Krankheiten oder Unfällen abzusichern. Stattdessen kommt der Dienstherr für mindestens die Hälfte der anfallenden Gesundheitskosten auf. Diese Fürsorge seitens des Dienstherrn bezieht sich auf das Alimentationsprinzip. Sie wird auch als Beihilfe bezeichnet. Übrig bleiben Restkosten, die vom Beamten selbst zu tragen sind. Dieser kann sich bei eine private Krankenversicherung einen Tarif aussuchen, der genau auf diese Restkosten angepasst ist.

 

Haben auch Beamtenanwärter einen Anspruch auf Beihilfe?

Für Menschen, die sich auf ein Amt vorbereiten, gibt es ebenfalls einen sogenannte Beamtenanwärter-Tarif in der privaten Krankenversicherung. Der Übergang zum Beamten-Tarif in der privaten Krankenversicherung verläuft bei der Verbeamtung fließend.

 

Welche Besonderheiten gibt es beim Beamtenanwärter-Tarif?

Anders als beim Beamten-Tarif, werden keine Alterungsrückstellungen verlangt und der Beamtenanwärter trägt nicht das Risiko, Geld zu verlieren, nur weil er die Versicherungsgesellschaft wechselt oder doch keine Beamtenlaufbahn einschlägt. Eine weitere Besonderheit des Beamtenanwärter-Tarifs stellt die Tatsache dar, dass Kinder von Amtsanwärtern nicht im Recht auf Beihilfe inbegriffen sind. Für sie muss eine zusätzliche Versicherung abgeschlossen werden.

 

Warum sollten sich Beamte unbedingt privat versichern?

Sich bei einer privaten Krankenversicherungsgesellschaft anzumelden hat für Beamten den Vorteil, das es sie wesentlich weniger kostet. Beamte bekommen für die Gesundheitskosten 50% als Beihilfe von ihrem Dienstherrn erstattet. Um die andere Hälfte der Kosten tragen zu können, ist für Beamte erforderlich eine Versicherung abzuschließen. Nur private Krankenversicherungen bieten spezielle Tarife für Beamte und Beamtenanwärter an, welche die Restkosten abdecken.

 

Warum lohnt sich die gesetzliche Krankenkasse nicht für Beamten?

Beamte fallen nicht unter die Versicherungspflicht bei der gesetzlichen Krankenkasse. Sie könnten sich freiwillig versichern lassen, was allerdings nicht sinnvoll ist. Anders als andere Arbeitnehmer wird die Hälfte des Versicherungsbeitrags bei der gesetzlichen Krankenkasse nicht vom Arbeitgeber übernommen. Die Beihilfe entfällt also für Beamte, sobald sie in gesetzlich krankenversichert sind. Sie müssen dann den vollen Versicherungsbetrag zahlen.

 

Wie hoch fällt die Beihilfe aus?

Wie hoch die Beihilfe ausfällt unterscheidet sich zwischen den Bundesländern und den familiären Verhältnissen des Beamten. Die Ehepartner von Beamten haben einen Anspruch auf 70% Beihilfe, Kinder von Beamten sogar 80%. Wenn ein Beamter zwei Kinder hat oder mehr bekommt er selbst eine erhöhte Beihilfe von 70%. Frauen bekommen einmalig 210 Euro für den Mutterschaftsurlaub und pro Kalendertag werden ihnen 13 Euro vom Lohn abgezogen, solange sie abwesend sind. Pensionierte Beamte müssen ebenfalls nur die Restkosten bezahlen. Sie bekommen eine Beihilfe von 70%.

 

Was steht in der Bundesbeihilfeverordnung?

Die Bundesbeihilfeverordnnung (BBhV) gibt an, welche Leistungen in Krankheits- oder Pflegefällen bezahlt werden. Genauso werden die Beihilfesätze in der BBhV festgehalten. Unterschieden werden die Beihilfesätze je nach Beruf, Familienstand und weiteren Faktoren. In der Bundesbeihilfeverordnung sind außerdem Dienstvorschriften und Rechtsverordnungen fixiert.

 

Gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern?

Teilweise unterscheiden sich die Beihilfesätze zwischen Bund und Ländern enorm. So wird es in Sachsen-Anhalt beispielsweise so gehandhabt, dass zuerst ein festgeschriebener Betrag für Behandlungen, Pflege und Medikamente vom Beamten selbst bezahlt werden muss, bevor schließlich die Beihilfe gezahlt wird. Normalerweise erhalten Lebens- und Ehepartner 70% Beihilfe. In Baden-Württemberg sind es dagegen nur 50%.

 

Welche Voraussetzung gibt es bei der Beihilfe?

Die Beihilfe wird erst ab dem Moment an geleistet, in dem der Beamte oder Beamtenanwärter in der privaten Krankenkasse aufgenommen wurde. Sollte er also noch in der gesetzlichen Krankenkasse angemeldet sein, sollte ein Wechsel zur PKV so schnell wie möglich erfolgen, um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten.

 

Welche Regelungen treten für Beamtenkinder in Kraft?

Beamtenkinder kosten zusätzlich etwas, wenn der Beamte privat versichert ist. Sie sind nicht komplett beitragsbefreit, profitieren aber von einem Beihilfe, die zwischen 70 bis 80% liegt. Kinder von Beamten werden bei der Beihilfe berücksichtigt, solange sie ihr Kindergeld erhalten. Spätestens mit der Vollendung des 25. Lebensjahres erlischt ihr Anspruch auf Beihilfe. Die Altergrenze kann sich ein Jahr nach hinten verschieben, wenn sie zuvor ein Jahr im Einsatz waren.

 

Welche Regelungen gibt es bei den Lebenspartnern von Beamten?

Ehegatten von Verbeamteten bekommen eine Beihilfe von 70%. Diese können sie jedoch nur dann erhalten, wenn sie ein gewisses Jahreseinkommen nicht überschreiten. In der Regel beträgt die jährliche Einkommensgrenze 17.000 Euro. In Rheinland-Pfalz und Hessen ist die Einkommensgrenze sehr viel weiter unten angesetzt. Dort dürfen Ehegatten nicht mehr als 8652 Euro im Jahr, um weiterhin von der Beihilfe zu profitieren.

 

Welche Vorteile hat eine private Krankenversicherung?

Außer der Tatsache, dass für Beamte in einer privaten Krankenversicherung nur in etwa die Hälfte des Beitrags zu zahlen ist, hat die Mitgliedschaft bei einer privaten Krankenversicherung auch zahlreiche andere Vorteile. Als privatversicherte Person genießt man einen höheren Status in Gesundheitsfragen als Kassenpatienten.

Zu den Vorteilen gehören des Weiteren:

  • Die Verfügbarkeit eines Ein- oder Zwei-Bett-Zimmers während einem stationären Aufenthalt in der Klinik
  • Die Übernahme von Kosten bei Zahnbehandlungen, darunter auch Zahnersatz und professionelle Zahnreinigung mit Zahnversiegelung
  • Zahlung der Behandlungen bei Heilpraktikern
  • Behandlung vom Chefarzt
  • Kürzere Wartezeiten
  • Die Ausstellung einer Rechnung mit allen angefallenen Kosten

 

Ist es möglich, als Beamter PKV-Beiträge steuerlich abzusetzen?

Seit 2010 sind die Gebühren für die Krankenversicherung, welche Beamte selbst zahlen müssen, von der Steuer abziehbar. Sie gelten als Sonderausgaben, wobei dies nur für die Grundversorgung zutrifft. Kosten durch Zusatzleistungen, wie ein Ein-Bett-Zimmer oder eine Behandlung vom Chefarzt beispielsweise, werden nicht vom Finanzamt zurückerstattet.

 

Wie sieht das Abrechnungsverfahren der Beihilfe aus?

Der versicherte Beamte muss die Kosten für ärztliche Behandlungen zunächst selbst bezahlen. Es genügt, eine Kopie der Rechnung an die Beihilfe zu schicken. In der Beihilfeverordnung stehen die Prozentsätze der Beihilfe. Nachdem die Rechnung eingegangen ist, bekommt die privat versicherte und verbeamtete Person diesen Prozentsatz zurückerstattet.

 

Welche Tarife bietet die private Krankenversicherung für Beamte an?

Private Krankenversicherungsgesellschaften bieten für Beamte beihilfekonforme Tarife an, die den restlichen Prozentsatz, den die Beamten selbst zu tragen haben, abdecken. Hier lässt sich zwischen dem Basistarif und dem Premium- bzw- Komforttarif unterscheiden.

 

Welche Leistungen bietet der Basistarif für Beamte?

Der Basistarif ist die günstigste Möglichkeit für Beamte. Dieser ist mit dem Grundschutz vergleichbar wie er von der gesetzlichen Krankenversicherung gewährleistet wird. Dementsprechend ist der Leistungsumfang relativ gering. Viele Zahnbehandlungen werden im Basistarif nicht von der Versicherung bezahlt. Genauso werden einige Kosten, die bei stationären Aufenthalten anfallen, nicht übernommen.

 

Was bieten Premium- und Komforttarife ?

Premiumtarife und Komforttarife umfassen mehrere Leistungen. Beamte, die so einen Versicherungsschutz gewählt haben, müssen auch bei aufwändigeren Zahnbehandlungen, wie dem Zahnersatz beispielsweise, nichts bezahlen, da die Kosten von der Krankenversicherung häufig vollständig übernommen werden. Genauso werden die Kosten für Behandlungen beim Heilpraktiker von der privaten Krankenversicherung übernommen. Die Übernahme der Kosten für teure Brillen erfolgt oftmals auch von der Versicherung, wenn der Komforttarif gewählt wurde. Bei vielen Versicherungsunternehmen können die Tarife individuell zusammengestellt werden. Das heißt, Beamte können die Leistungen, auf welche sie besonders Wert legen, in den Tarif aufnehmen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, auf ein Komplettpaket zurückzugreifen.

 

Gibt es Beihilfe bei Wahlleistungen?

Um Wahlleistungen handelt es sich, wenn privat Versicherte die Behandlung vom Chefarzt in Anspruch nehmen oder ein Ein-Bettzimmer bei einem Krankenhausaufenthalt für sich sichern möchten. Diese Wahlleistungen werden nur von der Hälfte aller Bundesländer finanziert.

 

Wo gibt es keinen Zuschuss für Wahlleistungen?

Die Chefarztbehandlung und Unterkunft von privat versicherten Beamten in einem Ein-Bett-Zimmer wird von folgenden Bundesländern nicht bezuschusst:

  • Berlin
  • Hamburg
  • Brandenburg
  • Schleswig-Holstein
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Niedersachsen
  • Saarland
  • Bremen

 

Was ist ein Wahlleistungstarif?

Beamte können bei Wahlleistungen sparen. Einige private Krankenversicherungen bieten eine Zusatzversicherung für Wahlleistungen an, wodurch der Versicherte nicht mehr die ganzen Kosten für diese bezahlen muss. Stattdessen ist für die Zusatzleistung ein geringer monatlicher Beitrag zu zahlen. Genauso fallen unter diese Zusatzversicherung alle Zahnarztbehandlungen, Brillenkäufe und Besuche beim Heilpraktiker. Wenn privat versicherte Beamte den Wahlleistungstarif abschließen möchten, müssen sie zwei Verträge unterzeichnen.

 

Kann Wahlleistungstarif auch nach der Verbeamtung aufgenommen werden?

Es ist ratsam, zu Beginn des Amtsantritts, zusammen mit Basistarif der privaten Krankenversicherung, den Wahlleistungstarif aufzunehmen. Allerdings ist auch ein nachträglicher Antrag möglich. Hieraus ergeben sich aber Nachteile. Dazu gehört, dass Versicherungsunternehmen das Recht haben, nochmal eine Gesundheitsprüfung beim Versicherten durchzuführen. Für den Fall, dass dieser dann eine Vorerkrankung aufweist bzw. nach dem Vertragsabschluss der Grundversorgung in der privaten Krankenversicherung krank geworden ist, können Risikozuschläge veranlasst werden. Es kann auch passieren, dass die Leistungen der Zusatzversicherung gänzlich verwehrt werden.

 

Was versteht man unter der freien Heilfürsorge?

Beamte, die ein Recht auf eine freie Heilfürsorge haben, bekommen sämtliche Kosten für Behandlungen, Krankenhausaufenthalten etc. vom Dienstherrn erstattet. Sie müssen überhaupt keine Krankenversicherung abschließen.

 

Welche Berufsgruppen betrifft die freie Heilfürsorge?

Anspruch auf die freie Heilfürsorge haben Beamte, die während ihrer Arbeit einem höheren Risiko ausgesetzt sind. Darunter fallen beispielsweise Polizisten, Feuerwehrleute, Berufssolaten und Justizvollzugsbeamte. Hier gilt es aber zu beachten, dass die Familie der Beamten , die unter die freie Heilfürsorge fallen, nicht mit inbegriffen ist. Sie beziehen Beihilfe und sind daneben privat versichert.

 

Was geschieht ab der Pensionierung?

Die freie Heilfürsorge kann nicht in die Pension mitgenommen werden. Ab der Pensionierung zahlt der Dienstherr eine Beihilfe von 70%. Die 30% an Restkosten werden als Beitrag für einen beihilfekonformen Tarif bei der privaten Krankenversicherung gezahlt.

 

Auf was muss bei der freien Heilfürsorge geachtet werden?

Feuerwehrleute, Polizisten und Soldaten, sowie andere, welche die freie Heilfürsorge bekommen dürfen und wollen, sollten sich über eine Anwartschaftsversicherung Gedanken machen. Ab dem Austritt aus dem Dienst, müssen Personen dieser risikoreichen Berufsgruppen wieder Krankenversicherungsbeiträge zahlen. In der PKV ist die Altersrückstellung verpflichtend, die bei einem späten Eintritt sehr hoch ausfällt. Zudem ist wieder eine Gesundheitsprüfung fällig und sollten Krankheiten oder Gebrechen vorliegen, wird die Krankenversicherung den pensionierten Beamten nicht mehr aufnehmen. Selbst wenn der Beamte schließlich doch von der Versicherung aufgenommen wird, sind Risikozuschläge zu zahlen. Abgesehen davon steht es den Versicherungsunternehmen frei, Leistungen au den Tarifen für bestimmte Mitglieder zu streichen.

 

Welchen Nutzen hat die Anwartschaftsversicherung?

Die Nachteile, welche mit dem späte Eintritt in die PKV auftreten, gibt es nicht, wenn Beamte vorgesorgt haben. Vorzusorgen bedeutet in dem Fall, zu Beginn ihrer Karriere eine Anwartschaftsversicherung abschließen. Mit der Anwartschaftsversicherung ist keine erneute Gesundheitsprüfung bei der PKV notwendig und es werden wesentlich niedrigere Beiträge fällig sein. Beamte mit einer Anwartschaftsversicherung sich geschützt vor Risikoszuschlägen und vor Leistungsauschlüssen.

 

Gibt es eine Alternative für die freie Heilfürsorge?

Theoretisch können die Berufsgruppen, die ein Recht auf die komplette Begleichung der Gesundheitskosten seitens des Dienstherrn haben, sich privat versichern und die Beihilfe in Anspruch nehmen. Dieser Schritt wäre aber endgültig. Wenn sich die verbeamtete Person dazu entschlossen hat, aus der freien Heilfürsorge auszutreten, kann sie sich nicht mehr umentscheiden.

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