Firmenversicherungen im Vergleich

 In Versicherungen

Versicherungen sind nicht allein im privaten Umfeld von Bedeutung. Auch Freiberufler und Unternehmer sehen sich permanent potentiell existenzbedrohenden Risiken ausgesetzt, die eine Absicherung finanziell erforderlich machen. Zu einem solchen Zweck wird die sogenannte Firmenversicherung eingesetzt. Genau genommen handelt es sich dabei nicht um eine klassische Einzelversicherung, sondern um die Kombination unterschiedlicher Versicherungsprodukte, ein Versicherungspaket mehrerer Risikoarten also. Inhaltlich deckungsgleich mit der Firmenversicherung sind die Begriffe Gewerbeversicherung und Betriebsversicherung.

 

Worauf erstreckt sich der Versicherungsschutz?

Der Umfang der abgedeckten Risiken einer Firmenversicherung hängt von der konkreten Ausgestaltung im Einzelfall ab. Prinzipiell besteht die Möglichkeit der Absicherung gegen finanzielle, materielle und persönliche Schäden des Unternehmers beziehungsweise der jeweiligen Gesellschaft selbst, seiner Mitarbeiter oder Dritter.

Die Schnittstellen zwischen den einzelnen Bestandteilen einer Firmenversicherung können zahlreich sein. So ist es durchaus möglich, dass bestimmte Schadensarten von einer Vielzahl unterschiedlicher Versicherungsarten abgedeckt werden kann. Aus diesem Grund fällt der Überblick zwischen den jeweiligen Produkten oftmals nicht leicht.

Eine Firmenversicherung sollte individuell zugeschnitten sein, weshalb zunächst eine betriebsbezogene Risikoanalyse zu erfolgen hat. Nur so können potentielle Risiken eingeschätzt und entsprechend abgesichert und gleichzeitig große Überschneidungen oder Schutzlücken vermieden werden. Einen ersten Anhaltspunkt kann die Einteilung drohender Schäden aus den Kategorien Haftung, Sachwerte und Kostenrisiken in drei verschiedene Klassen darstellen:

  • Existenzielle Risiken, deren Verwirklichung eine Bedrohung für den Bestand des Unternehmens zur Folge hätte. Diese Risiken sollten immer versichert werden.
  • Risiken, deren Verwirklichung hohe finanzielle Schäden zur Folge hätte. Diese Risiken sollten so früh wie möglich versichert werden.
  • Risiken, deren Verwirklichung auch im schlimmsten Fall nur geringe bis mittelschwere finanzielle Folgen hätte. Diese Risiken können soweit möglich versichert werden oder sind sogar zu vernachlässigen.

 

Welche Risiken lassen sich konkret versichern?

Die unterschiedlichen (Teil-)Versicherungen, die von einer Firmenversicherung umfasst sein können, sind äußerst zahlreich. Für jede Branche gibt es mittlerweile besonders zugeschnittene Versicherungen, die speziellen Voraussetzungen und Geschäftszwecken Rechnung tragen. Dennoch existieren auch zwischen sehr verschiedenen Branchen große Überschneidungen im Hinblick auf die grundsätzliche Natur drohender Risiken. Folgende Versicherungen sind deshalb für die meisten Unternehmen und Selbstständige von großer Bedeutung:

 

Betriebshaftpflichtversicherung

Eine Betriebshaftpflichtversicherung bietet Schutz vor Schäden, die bei Ausübung der betrieblichen Tätigkeit gegenüber Dritten entstehen. Gegenstand der Versicherung sind die Freistellung des Versicherungsnehmers von gesetzlichen Schadensersatzansprüchen sowie die Prüfung der Begründetheit solcher Ansprüche und gegebenenfalls deren Abwehr. Insoweit lässt sich auch von einer „passiven Rechtsschutzversicherung“ sprechen.

Vom Versicherungsumfang abgedeckt sind neben dem Unternehmer selbst auch dessen gesetzliche Vertreter und sonstige Betriebsangehörige. Nicht umfasst vom Versicherungsgegenstand sind reine Vermögensschäden. Unternehmen, die keine Dienstleister sind und die nicht nur Erzeugnisse an Verbraucher liefern, sondern auch produzieren, benötigen zusätzlich eine Produkthaftungsversicherung um ausreichende Risikoabsicherung zu erreichen.

 

Berufshaftpflichtversicherung

Die Berufshaftpflichtversicherung garantiert Schutz vor Schäden, die durch die berufliche Tätigkeit selbst gegenüber Dritten entstehen. Versichert sind in diesem Fall nur Einzelpersonen, nicht ein ganzes Unternehmen. Berufshaftpflichtversicherung und Betriebshaftpflichtversicherung können sich jedoch ergänzen, da sie unterschiedliche Schwerpunkte haben. So umfasst die Berufshaftpflicht eines Rechtsanwalts beispielsweise eine durch diesen erfolgte Falschberatung. Die Betriebshaftpflicht würde hingegen greifen, wenn ein Mandant in den Kanzleiräumen auf dem nassen Boden ausrutscht und sich verletzt.

Für bestimmte Berufsgruppen mit besonders hoher Verantwortung stellt die Berufshaftpflichtversicherung daher eine Pflichtversicherung dar, die Voraussetzung für die gewerbliche Zulassung ist. Diese Pflicht gilt unter anderem für freiberuflich tätige Ärzte und Veterinäre, Architekten und Bauingenieure sowie Rechts- und Steuerberater und Notare.

 

Firmenrechtsschutzversicherung

Die Firmenrechtsschutzversicherung verspricht Schutz vor finanziellen Nachteilen im Rahmen rechtlicher Auseinandersetzungen durch Kostenübernahme seitens der Versicherung. Häufig bieten Versicherer im Bereich Firmenrechtsschutz auch eine Rechtsschutz-Hotline an, bei der Versicherungsnehmer ersten Rechtsrat erteilt bekommen können, was insbesondere für kleine Unternehmen ohne eigene Rechtsabteilung eine Hilfe sein kann.

Im geschäftlichen Verkehr sind Rechtsstreitigkeiten häufig auch bei größter Sorgfalt nicht zu vermeiden. Hohe finanzielle Belastungen können sich in einem solchen Fall zum Beispiel aus Anwalts- und Gerichtskosten ergeben. Auch Sachverständigenkosten, die bei Streitigkeiten mit fachlichem Hintergrund oftmals anfallen, können schnell in gewaltige Höhen steigen und vor allem für kleine Unternehmen eine massive Bedrohung darstellen.

Zu achten ist unbedingt darauf, welche Risiken der Firmenrechtsschutz konkret umfasst. Spezielle Rechtsschutzgebiete wie Verkehrsrechtsschutz, Strafrechtsschutz oder Rechtsschutz im privaten Bereich sind nicht immer vertraglich abgedeckt und müssen gegebenenfalls zusätzlich versichert werden.

 

Feuerversicherung

Die Feuerversicherung bietet im Wesentlichen Schutz vor finanziellen Schäden, die durch einen Brand entstehen. Umfasst werden Schäden an Immobilien, Mobilien und je nach Ausgestaltung auch Betriebsausfallschäden. Auch sogenannte sekundäre Schäden wie etwa die Kosten für einen Löscheinsatz oder anschließende Abriss- und Aufräumarbeiten werden von der Versicherung abgedeckt.

Bei großen Industrieanlagen ist die Feuerversicherung Teil einer sogenannten Industrieversicherung. Für die Höhe der Prämien kommt es zum einen auf die Größe der zu versichernden Anlagen und Gebäude an. Zum anderen spielt natürlich das Brandrisiko eine Rolle, das durch spezielle Brandschutzmaßnahmen und bauliche Besonderheiten reduziert werden kann, wodurch die Kosten der Versicherung sinken.

 

Betriebsunterbrechungsversicherung

Die Betriebsunterbrechungsversicherung ermöglicht Schutz vor finanziellen Nachteilen bei Betriebsausfall oder -Beeinträchtigung. Oft können kleine Sachschäden (zum Beispiel an Produktionsmaschinen) Ursache für weitreichende und schwerwiegende finanzielle Folgen sein, wenn dadurch der Betrieb im Unternehmen stillgelegt oder behindert wird.

Umfasst vom Schutz einer Betriebsunterbrechungsversicherung sind beispielsweise aufgrund der Unterbrechung entgangener Gewinn und Verbindlichkeiten in Form von Personalkosten, aber auch Fixkosten für angemietete Geschäftsräume. Der Versicherungsschutz erstreckt sich also auf das Nutzungspotential beziehungsweise die Ertragkraft eines Unternehmens, nicht auf den eigentlichen Substanzwert (beispielsweise von Maschinen), der wiederum von der Inventarversicherung abgedeckt wird.

Betriebsausfallschäden werden nur ersetzt, wenn die jeweilige Ursache von den Versicherungsbedingungen abgedeckt ist. Große Sorgfalt sollte deshalb beim Abschluss einer Betriebsunterbrechungsversicherung auf die versicherten Ursachen für Betriebsausfälle gelegt werden.

 

Vermögensschadenhaftpflichtversicherung

Die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung verschafft dem Versicherungsnehmer Schutz vor Ersatzansprüchen bei echten Vermögensschäden Dritter, also solchen Schäden, die einzig und unmittelbar das Vermögen eines Dritten betreffen und die auf der Verletzung einer Vermögensbetreuungspflicht beruhen. Es handelt sich um einen Sonderfall der Berufshaftpflichtversicherung, der Berufsgruppen und Firmen betrifft, die fremde Vermögensinteressen wahrnehmen. Zielgruppen einer solchen Versicherung sind vor allem Rechtsanwälte, Steuerberater, Architekten und Ärzte.

 

Gebäudeversicherung

Die Gebäudeversicherung schützt den Versicherungsnehmer vor Schäden an betrieblich genutzten Gebäuden, deren Ursachen Feuer, Wasser, Sturm und anderweitige Elementareinflüsse sein können. Bei einem Totalschaden werden die Kosten für den Wiederaufbau des Gebäudes übernommen, bei Beschädigung die Kosten für erforderliche Reparaturmaßnahmen. Umfasst werden auch sekundäre Schäden wie Entsorgungs- und Abrisskosten für Gebäude.

 

Inventar- oder Inhaltsversicherung

Die Inventar- oder Inhaltsversicherung bietet Schutz vor finanziellen Nachteilen bei Schäden am Unternehmensinventar und stellt gewissermaßen das Pendant zur Hausratversicherung im privaten Sektor dar. Eine solche Versicherung empfiehlt sich vor allem für Unternehmen, die über teure Produktionsanlagen, Maschinen und Geräte verfügen. Abgesichert ist der Versicherungsnehmer gegen äußere Einflüsse durch Elementarschäden, Explosionen und Brände, aber auch gegen andere Formen der Beeinträchtigung wie beispielsweise durch Rohrbrüche oder Einbruch-Diebstahl.

 

Kreditversicherung

Die Kreditversicherung ermöglicht dem Versicherungsnehmer Schutz vor dem Risiko der Insolvenz seiner Schuldner. Umfasst werden von der Versicherung Entschädigungen bei Forderungsausfall, die Kosten für Bonitätsprüfungen sowie die Übernahme von Fabrikationskosten für nicht abgenommene Sonderanfertigungen.

 

Kfz-Versicherung

Die Kfz-Versicherung schützt den Fuhrpark des Versicherungsnehmers und die Insassen der Betriebs- und Fremdfahrzeuge bei Verkehrsunfällen. Umfasst sind von der Versicherung eine Vielzahl unterschiedlicher Schäden an den Fahrzeugen selbst sowie sekundäre Schäden wie Abschlepp- und Hotelkosten. Auch die Insassen unfallbeteiligter Fahrzeuge sind vom Versicherungsschutz eingeschlossen, häufig sogar mit einer Gleichstellung des Unfallverursachers mit dem Opfer im Rahmen sogenannter Fahrerschutzversicherungen.

Kfz-Versicherungen im gewerblichen Bereich sind vielschichtig und erfordern eine genaue Betrachtung der abzudeckenden Risiken und des gebotenen Schutzes durch eine Versicherung. Besonderheiten können sich beispielsweise für Unternehmen ergeben, bei denen Fahrzeuge eine große Bedeutung haben (zum Beispiel Speditionen oder Bauunternehmen).

 

Zusätzliche Versicherungen

Weitere häufige Versicherungen, die vor allem bei großen Unternehmen oder Betrieben mit besonderem Schwerpunkt Teil einer umfassenden Firmenversicherung sein können, sind die Transportversicherung, die Diebstahlversicherung, die Elektronikversicherung, die Glasversicherung, die Produktversicherung und die Maschinenversicherung.

 

Wie hoch sind die Kosten einer Firmenversicherung?

Der finanzielle Aufwand für eine Versicherung unterschiedlicher Risiken hängt von zahlreichen Faktoren ab, die eine generelle Aussage unmöglich machen. Eine Rolle spielen die Art und Höhe der abgedeckten Risiken, die Betriebsgröße und die Deckungssummen.

Vermieden werden sollte der Abschluss mehrerer Kombinationen, bei denen Schadens- und Risikoarten mehrfach abgedeckt sind, was in der Regel zu höheren Kosten führt.

TIPP: Ein Vergleich kann zu erheblicher Kostenersparnis führen. Insbesondere bei größeren Unternehmen mit hohem Versicherungsbedarf häufen sich schnell gewaltige Kosten an. Vermeiden lässt sich ein Teil dieser Kosten oftmals durch kombinierende Angebot, die mehrere Schadensarten einschließen.

 

In welcher Höhe sollten Schäden abgedeckt sein?

Die Höhe der vereinbarten Deckungssumme für unterschiedliche Schadensfälle hängt von den betrieblichen Voraussetzungen und dem gewünschten Umfang der abzudeckenden Risiken ab. Vorhandene Werte wie Produktionsanlagen und Lagerware müssen ebenso Berücksichtigung finden wie Fixkosten und andauernde geschäftliche Beziehungen, die etwa im Falle einer Betriebsunterbrechung in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Die Höhe der versicherten Schadenssumme macht demnach eine umfangreiche Analyse und Berechnung unumgänglich.

 

Welcher Versicherungsschutz empfiehlt sich für Existenzgründer?

Der hohe Kostenfaktor einer umfassenden Risikoabdeckung durch eine Firmenversicherung ist gerade für Existenzgründer natürlich eine nicht zu verachtende finanzielle Belastung. Geringe finanzielle Mittel machen deshalb gerade bei Existenzgründern eine Berücksichtigung sämtlicher Risiken unmöglich. In einem solchen Fall gilt es, den Versicherungsschutz sorgfältig zu wählen und einen Kompromiss zwischen Abdeckung der wichtigsten Risiken und möglichst geringer finanzieller Belastung zu erreichen.

Stufenweise kann der Versicherungsschutz anschließend nach und nach erweitert werden. Sollten anfangs vor allem existenzbedrohende Risiken abgesichert werden, können im Anschluss Absicherungen gegen Schäden getroffen werden, deren Übernahme eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen würde. Verfügt das Unternehmen schließlich über ausreichende Stabilität, können Rechtsschutz- und Zusatzversicherungen abgeschlossen werden, deren abgesicherte Risiken entweder zunächst zu vernachlässigen sind oder die mit der Größe des Unternehmens wachsen.

 

Welcher Versicherungsschutz ist für Handwerker sinnvoll?

Handwerksbetriebe sollten unbedingt eine Betriebshaftpflichtversicherung als Teil ihrer Firmenversicherung abschließen. Außerdem empfiehlt sich die Absicherung gegen Betriebsausfälle und eine Inventarversicherung. Zu achten ist auf eine besonders hohe Deckungssumme aufgrund der vielfach hohen finanziellen Risiken. Für Handwerksbetriebe gibt es zudem häufig Rabatte, wenn besondere Sicherheitsmaßnahmen nachgewiesen werden, die einen Schadenseintritt unwahrscheinlicher machen.

 

Welcher Versicherungsschutz ist für Freiberufler sinnvoll?

Freiberufler sollten zum einen eine Absicherung in puncto Betriebshaftpflicht vornehmen. Zum anderen stellen Betriebsunterbrechungen und Vermögensschäden bei Dritten ein großes Risiko dar, dem durch Abschluss von Betriebsunterbrechungsversicherung und Vermögensschadenhaftpflichtversicherung entsprechend begegnet werden sollte.

 

Wie sollte der Versicherungsschutz zusammengestellt werden?

Ein grundsätzliches Vorgehen zur Zusammenstellung eines optimalen Versicherungsschutzes für ein bestimmtes Unternehmen umfasst im Wesentlichen drei Schritte:

  1. Vornahme einer Risiko- und Bedarfsanalyse des jeweiligen Unternehmens. Dies bedeutet eine abschließende Sammlung und Analyse derzeitiger und zukünftiger Risiken für den Betrieb sowie deren Gewichtung.
  2. Vornahme einer Kosten-Nutzen-Analyse zur Ermittlung des konkreten Versicherungsbedarfs. Möglicherweise existieren Risiken, deren Absicherung finanziell unvorteilhaft wäre, weil die etwaigen Folgen einer Risikoverwirklichung problemlos vom Unternehmen selbst getragen werden könnten.
  3. Zusammenstellung von Kombinationen und Ermittlung von Deckungsumfängen für unterschiedliche Risikobereiche.
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